Rudolf Kreutzer
Dieses Foto wurde bereits publiziert. Dennoch soll es hier nochmals in guter Auflösung gezeigt werden, denn es zeigt den Fotografen Rudolf Kreutzer vor einer Lokomotive.
Rudolf Kreutzer war kaufmännischer Angestellter bei der 'Hanomag' und begann erst spät mit der Fotografie von Eisenbahn. Möglicherweise lernte er Werner Hubert bei der "Hanomag" kennen und dessen fotografische Tätigkeit 'färbte auf ihn ab'.
Durch einen rückwärtigen Postkartentext wissen wir, dass die Aufnahme mit ihm und der P8-Lokomotive etwa 1926 in Soltau aufgenommen worden ist. Die Lokomotive 38 1617 wurde 1913 neu an das Betriebswerk Hannover ausgeliefert und war mindestens bis zum Zeitpunkt der Aufnahme dort stationiert. Die Person mit dem Hut vor der Lokomotive ist der 42-jährige Rudolf Kreutzer. Die Lok-Personale posieren freundlich, der Heizer schaut aus seinem Fenster, der Lokführer steht dahinter.
Um auch noch ein bislang unveröffentlichtes Bild hier zu zeigen, blicken wir noch auf eine Fotografie von Rudolf Kreutzer, die er in seiner Geburtsstadt Dresden angefertigt hat. Zu sehen ist eine sächsische Verbund-Lokomotive der ursprünglichen Gattung VIII V2 (1900) mit der Reichsbahn-Nummer 36 965 und dem Lokführer. Das Foto wurde 1927 im Betriebswerk Dresden Altstadt angefertigt und zeigt die bereits zur Ausmusterung vorgesehene Maschine, die am 10.6.1927 nochmals eine Bremsuntersuchung bekommen hatte. Wie auch bei vielen frühen Fotografien von Werner Hubert wurde auf die Abbildung des Tenders verzichtet.
Rudolf Kreutzer hat in seiner Zeit bei der Lokomotivfabrik Henschel in Kassel eine große Zahl an Fotografien auch im Dienste der Fabrik angefertigt. Zu diesen Bildern gehört auch ein Foto der Lokomotive 61 002 (einem Einzelstück) am Werkstor der Henschel-Werke am Holländischen Platz in Kassel. Es dürfte eine der ersten Bewegungsfahrten dieses Fahrzeugs an einem Mai-Morgen 1939 sein, denn es gibt nur eine Farbgrundierung und weder Beschriftungen noch die endgültige Lackierung der Lok - beides erfolgte unmittelbar vor Auslieferung am 12.6.1939. Die quer verlaufende Strasse ist die Holländische Strasse (Danke Claus!), über welche die fertiggestellten Lokomotiven das Werk verlassen konnten.
Zu seiner Zeit bei der Hanomag fertigte Rudolf Kreutzer etwa im Jahr 1913 im Gleisvorfeld des Hauptbahnhofs in Hannover ein Seitenfoto der bereits umgebauten preussischen Versuchs-Schnellfahrlokomotive 'S9 Hannover999' an. Ursprünglich hatte diese Lok, von der es zwei etwas unterschiedliche Exemplare gab, zwei Führerstände und sollte im Schnellzugverkehr mit hohen Geschwindigkeiten eingesetzt werden können. Die Versuche scheiterten aus konstruktiven Mängeln und beide Maschinen wurden zum Ende des Jahres 1918 verschrottet.
Das fotografische Werk Rudolf Kreutzers überschneidet sich regelmässig mit seiner beruflichen fotografischen Tätigkeit für die Maschinenfabrik Henschel in Kassel, für die er 14 Jahre tätig war. In diese Zeit fiel auch die große technische Diskussion über die Vor- und Nachteile der Traktionsarten auf der Schiene. Die Erfahrungen mit der elektrischen Traktion und mit den Verbrennungsmotoren waren lehrreich und zeigten die Potentiale auf. Aus verschiedenen Gründen geriet somit die Dampfmaschine zunehmend in Diskussion. Die guten Erfahrungen mit Triebwagen auf Nebenbahnen veranlassten mehrere Hersteller nunmehr auch mittelgroße Fahrzeuge mit Dampfmaschinen zu konstruieren. Hierzu gehörten auch die Henschel-Werke, deren Entwicklungsmuster „DT51“ (mit etwa 300 PS und 60 Sitzplätzen) im April 1934 erprobt wurde. Im Rahmen dieser Probefahrten sehen wir hier ein Foto des „DT51“ mit Beiwagen auf der Werrabrücke in Hannoversch Münden auf dem Weg nach Dransfeld. Das Fahrzeug trägt bereits die Anschriften der Reichsbahn. Offensichtlich hat Rudolf Kreutzer um einen Halt auf der Brücke gebeten, denn es sollten auch die begleitenden Mitarbeiter von Henschel und der Reichsbahn porträtiert werden. Das Bild zeigt wiederum den handwerklich gekonnten Umgang des Fotografen mit Technik und Bildgestaltung.